Ausbildung zum Ehrenlokführer bei der HSB
       Brocken total    

Nach einem Schnupperkurs im Jahr 2004 habe ich mich für einen Ausbildungskurs zum Ehrenlokführer bei der HSB
angemeldet. Lokführer machten mich darauf aufmerksam, dass es im Winterfahrplan neben der Strecke auf den Brocken 
auch möglich sei nach Eisfelder Talmühle zu fahren. Wobei es vom Lokführer abhängig sei auf welchem Teilstück man
selber fahren könne.
Gegen Ende Oktober 2004 kam die Buchungsbestätigung für einen Ausbildungsplatz im Zeitraum vom 29.3.-8.4.2005.
Die Unterkunft im uns bereits bestens bekannten "Parkhotel Fischer" war ebenfalls reserviert.

Das Parkhotel Fischer liegt am Rande eines Parkes in unmittelbarer   Nähe des Bahnhofes von DB und HSB.
Es verfügt zudem über ein Schwimm- bad und einen Wellnessbereich, der besonders meiner Frau Heidi gefällt. Das Morgenbuffet ist ausgezeichnet und kann auf Wunsch bereits ab 7 Uhr  besucht werden.

Infos:  www.parkhotel-fischer.de

Im Februar 2005 erhielt ich einen Telefonanruf aus Berlin. Man fragte mich an , ob ich damit einverstanden wäre, dass
SAT1 ein Kamerateam an zwei Tagen für Aufnahmen nach Wernigerode senden werde. In der Annahme, dass dies den
Kursablauf nicht besonders stören würde, sagte ich zu. Eine Woche vor Kursbeginn kam dann die definitive Bestätigung. Das SAT1 Team begleitete uns an zwei Tagen.  Dieter Steinkamp (ALF) übernahm deshalb neben der Einführung  am ersten Tag auch die Schicht Pl 1/1 am zweiten Tag.

Kursplan Mittwoch Donnerstag Freitag Samstag Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Donnerstaqg Freitag
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Unterweisung
Pl 1/1 Pl1/1 Pl 1/2a Pl 1/2a Pl 1/1 pL1/3 Pl1/3 Prüfung
Pl1/1
Pl1/3
ab 8:00 Uhr 08:10-16:20 08:10-16:20 09:25-20:21 09:25-20:21 08:10-16:20 10:40-17:18 10:40-17:18 08:10-16:20 10:40-17:18
Prochnau
Steinkamp
Steinkamp Diedrich Diedrich Diedrich Eilers Diedrich Eilers Steinkamp Diedrich

Arbeitsbeginn und Ende sind jeweils 1 Stunde vorher und 1 Stunde nachher

Die theoretische Unterweisung wird von Holger Prochnau geleitet und umfasst den Eisenbahnbetrieb mit Auszügen aus den Fahrdienstvorschriften, Betrieblichen Unterlagen und einer Zusammenstellung der bei der HSB verwendeten Signale. Im zweiten Teil -Triebfahrzeuge- werden die Aufgaben des Triebfahrzeugpersonals, besondere Dienstpflichten des Heizers, Anweisungen zur Prüfung der Wasserstandsvorrichtung, der Dampflokomotivkessel, der Weg des Dampfes, der prinzipielle Aufbau einer Triebfahrzeugbremse und das Schema der Mischvorwärmeranlage erklärt

 

Günter Steinkamp übernimmt die Einführung an der Lokomotive  Erste Fahrversuche und Fahrt bis Schierke

Die Fahrt endet zwei Meter nach dem Wasserkran. Aller Anfang ist schwer.
Da sehr viele Passagiere einsteigen wollen muss mit dem Zurücksetzen gewartet werden.
Dann wird Wasser gefasst.

Antritt zur Arbeit Das Videoteam ist bereits fleissig

 

Kohle bunkern
Mein Kollege Krause steht bereits im Gleis 3

Mit Lokfüher Diedrich in Wernigerode für eine Fahrt zum Brocken

Streckenprofil zum Brocken 

Zwischenhalt in Drei Annen Hohne Der neue Wasserkran wird ausprobiert 
Auszüge Fahrt Schierke-Brocken
und Abschluss

 

 

  Wasserfassen, Fahrt auf den Brocken Abschluss in Wernigerode
 
Hier die genaue Beschreibung des Trofimow-Druckausgleich-Kolbenschiebers

Führerstand

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Auf dem Brocken angekommen wird umfahren

Die Fahrt auf den Brocken ist im Prinzip recht einfach. Nachdem man die Station Westerntor verlassen hat geht es je nach Lokführer ab hier  oder spätestens ab Ausfahrt Steinerne Renne an den Regler. Steuerung auf 75 vorwärts auslegen. Ein kurzer Abfahrtspfiff . Ein  Stoss am Regler bis der Trofimow Kolbenschieber mit einem Click in Arbeitstellung geht. Bremse los. Schieberkastendruck auf 3-4 bar und warten was geschieht. Setzt sich der Zug in Bewegung dann den Schieberkastendruck auf ca10 bar erhöhen. Das tönt wiederum recht einfach. Jede Lokomotive reagiert jedoch anders, zudem hat jeder Lokführer seine eigenen kleinen Variationen. (wann Bremse lösen, wann Abfahrtspfiff, Reglerstellung etc.)  Fährt man mit verschiedenen Lokführern, dann muss man sich halt deren Programm merken.
Meine Programme lauteten demzufolge  Prog. Steinkamp, Prog. Diedrich, Prog. Eilers. Wobei ich das Programm Steinkamp am besten fand. Ist der Schieberkastendruck einmal gesetzt wird die richtige Geschwindigkeit mit Hilfe der Steuerung kontrolliert. Dies funktioniert wesentlich genauer und weniger eratisch als das Reissen und Stossen am Regler.

Sonst gibt es auf der Fahrt außer dem gelegentlichen Blick zurück ob noch Alles mitkommt, der laufenden Kontrolle der diversen Druckanzeigen und bei Steinkamp der Öffnung der Heiztüre für den Heizer nicht viel zutun. Halt da sind ja noch die schönen Pfeiftafel 1mal oder zweimal pfeifen, das macht richtig Spass. Aber oha auch hier gibt es verschiedene Programme. Steinkamp lieber einmal zu viel als zu wenig. Diedrich nur wenn unbedingt notwendig (Gehörschaden, da ist ja sowieso niemand zuhause). Eilers Pfeifprogramm liegt irgendwo dazwischen. 
Die Einfahrt in die Station erledigt der Lokführer normalerweise selbst. So habe ich mir jeweils die Punkte gemerkt an denen ein Führerwechsel gewünscht wird. Wiederum die drei Programme. Dasselbe gilt bei der Ausfahrt, auch Wasserfassen kann man machen oder "machen lassen". 
War es dem Sat1 Video-Team zu verdanken, oder dem Prog Steinkamp dass ich bereits am ersten Tag ab Steinerne Renne die ganze Strecke fahren konnte. Das war ein ganz gehöriger Stress. In Schierke stand zudem ein Videomensch im Geleise und um den ja nicht zu überfahren bin ich am Wasserturm vorbeigerauscht. Auch wenn es nur zwei Meter waren war ein Zurückfahren notwendig. Dies konnte jedoch erst erfolgen nachdem alle Fahrgäste ein- oder ausgestiegen waren. Dieter Steinkamp nahm es gelassen. Die Verspätung war vernachlässigbar. Eine zusätzliche Langsamfahrstrecke  ich glaube bei km 10 (dort wo der Wanderweg auf Holzbrücken liegt)  war angesagt. Man sah zwar nichts, keine Unterspühlung dafür Fahrt  im Schritttempo.

Auf dem Brocken eine Woche lang schönste Aussicht. Das Umfahren wurde durch den Lokführer vorgenommen (meistens).     

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Auf der Rückfahrt vom Brocken loderte nicht nur in der Lok das Feuer. Auch das trockene Gras brannte. Es konnte mit den Lok eigenen Mittel nicht gelöscht werden. Die Feuerwehr wurde verständigt. 

Wer nun meint der Stress bei der Fahrt auf den Brocken sei auf dem Gipfel zu Ende, der ist noch nicht zurückgefahren.
Die Abfahrt beginnt wie eine normale Anfahrt. Dann wenn genügend Schwung vorhanden ist kommt Herr Trovimov's zweiter Teil zum Zuge.

Von jetzt an rollt der Zug bis in die nächste Station von selbst und wird nur mit der Bremse kontrolliert.
Die Lokbremse wird herausgenommen ( spez. Stellung an der Zugsbremse oder mit dem kleinen Hebel beim linken Knie (Talfahrt)).
Nun wird die Geschwindigkeit allein mit den Bremsen der angehängten Wagen gesteuert. Dies ist der schwierigste Teil der Fahrt. Wird man zu schnell und bremst zu stark besteht die Gefahr des Absitzens. Die Einhaltung einer konstanten Fahrgeschwindigkeit erfordert höchste Konzentration.

Jede Kurve bremst den Zug, also bei der Einfahrt Bremse etwas lösen und sobald die Lok durch die Kurve ist wieder anziehen oder ähnlich. Meine ersten Talfahrten erinnern mich eher an ein JOJO. Streckenkenntnis ist hier gefragt.
Das Bremsverhalten wird zudem durch die Anzahl Wagen und ob mit viel oder wenig Fahrgästen beeinflusst. Bei der Talfahrt steht man verkehrt zur Bremse und die verschiedenen Stufen müssen "erfühlt " werden.

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Erst wenn der Lokführer zu einem Schwatz mit dem Heizer übergeht oder nach der Stulle greift bekommt man das Gefühl man hätte es im Gefühl.

Im Sommerfahrplan kann man nur die Strecke auf den Brocken fahren. 

Im Winterfahrplan ist es auch möglich von Wernigerode über Drei Annen Hohne zur Eisfelder Talmühle zu fahren. Wie man aus dem Höhenprofil ersehen kann ist dies die wesentlich anspruchvollere Strecke als auf den Brocken wo es immer nur raufgeht (Regler fast immer offen).
Hier kann man erst richtig Dampflokfahren.

 






Dieses richtig
gute Video habe ich bei der Ueberarbeitung der Seite im Internet gefunden.



 

 

Ich hatte die Gelegenheit mit Lokführer Diedrich  und Eilers von  Steinerne Renne bis Drei Annen Hohne und von Benneckenstein bis zur Eisfelder Talmühle und zurück fahren zu dürfen.   Der Publikumsandrang war überwältigend einmal 3 Passagiere und einmal sogar zwei. Die Fahrt jedoch hat richtig Spass gemacht obschon man aus dem Hebeln und Drehen kaum rauskam. In allem die weitaus schönere und auch attraktivere Strecke. 

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zwischen Drei Annen Hohne
und Elend 

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vor Sorge

im Elend ist es halb so schlimm. Es bleibt Zeit um Kaffee zu holen

 Eisfelder TalmühleVideo


 

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Eisfelder Talmühle Steinerne Renne
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Wernigerode Kirchstrasse Wernigerode Westerntor Abdampfen Urkundenverleihung

Hier müsste noch ein Abschnitt mit Danksagungen und über die Urkundenverleihung im "Alten Fritz" rein

Ich danke..................es war schön.

und Glücklicherweise ging alles ohne 


Pschttt.   Komme wieder


Arbeitsende

Während der Fahrt blieb genügend Zeit um mit den Lokführern und den Heizern über Ihre Alltagsprobleme zu diskutieren. Dabei hat sich herausgestellt, dass zwischen HSB Management und dem Personal unterschiedliche Ansichten betreffend der Ausbildungskurse bestehen. Die HSB Leitung sieht in den Kursen eine sehr willkommene Aufbesserung der Finanzen und damit eine Sicherung der Arbeitsplätze. Die ELF (Ehrenlokführer) machen für die Bahn Reklame. Zudem profitiert die Gastronomie und Hotellerie  von Wernigerode von den Teilnehmern.

                            

Die scheinbar Leidragenden sind die Lokführer und Heizer. Hier ist das ganze Spektrum von total ablehnend über gleichgültig bis akzeptabel vertreten. Die Belastung durch die Kurse wird sogar als Grund für eine frühzeitige Pensionierung angegeben. Der "sanfte" Druck der HSB-Leitung lässt aber keine Zweifel offen, man muss da halt durch.

Am letzten Tag habe ich teils aus Frust, oder war es die Müdigkeit, auf den Regler verzichtet und die Fahrt zur Eisfelder Talmühle als Führerstandsfahrt genossen.

Wer nun am Ende des Kurses glaubt er habe Alles im Griff, der hat nur noch nicht festgestellt was er Alles noch nicht oder nur mangelhaft kann.

PS:  Der Video von SAT 1 wird nicht ausgestrahlt (zu technisch und reisst niemanden vom Stuhl). Freundlicherweise hat SAT1 mir einen Teil der Aufnahmen überlassen. Roger sei dank.

Was ich noch vergessen habe:

Gelegentlich soll es ja vorkommen, das die Räder der Lokomotive durchdrehen (am Brocken bei Nässe keine Seltenheit) . Dies artet dann meistens in einen kleinen Wettstreit zwischen AZUBI und Lokführer aus -> wer hat die Hand zuerst am Regler und wie viel muss der Regler geschlossen werden. Das erneute Setzen des richtigen Schieberkastendruckes endet je nach Lokomotive mit einem ungewollten Turn- (Stemmen und Reissen) Programm. 

September 2006

Ups welche giftigen Kommentare tauchten da in unserem alten  Guestbook auf (alle anonym) und teilweise  unter der Gürtellinie.
Obschon ich mit diesem Beitrag  einigen Harz-Freunden  und L
okführern auf den Schlipps getreten bin, gibt er ohne fremdenfeindliche  und berufsverachtende Absichten meine persönliche Meinung wieder. Auf die Wiedergabe  der entsprechenden Eintragungen verzichte ich.

PS. Seit meiner ELF- Ausbildung war ich des öftern im Harz und habe die Fahrt als Passagier genossen. Auf der Lok war ich nie mehr. Versuche es vielleicht mal noch bei der Bäder-Molli oder dem Rasenden Roland, wenn genügen Zeit bleibt,  man wird ja immer älter.

Webcams der HSB

weitere HSB- Links: HSB_Brocken
Quedlinburg-Eisfelder Talmühle

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